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Grabstein von Heinrich Mann und Gedenktafel für Nelly / Dorotheenstädtischer Friedhof, Berlin
Foto: Kiko2000 / wikipedia commons (2005)

Durch das Henri Quatre Colloquium fühle ich mich Heinrich Mann verbunden, dessen Geburtstag am 27. März ist. Dieses Jahr ist es ein Montag, und ich werde keine Zeit haben, zum Dorotheenstädtischen Friedhof zu radeln und seine Grabstätte aufzusuchen. Das werde ich im Sommer einmal tun, mit passender Lektüre im Gepäck, zumal mir die Bronzebüste von Gustav Seitz (1906 – 1969) gut gefällt. Dieses Foto ist mir sehr recht, weil es die Gedenktafel an Nelly mit einbezieht und Zeichen andauernder Zuneigung.

Hier ist – frei übersetzt – wie Petri Liukkonen Heinrich Mann würdigt. (Es lohnt sich, den Originaltext bei The Authors‘ Calendar in Gänze zu lesen)

»Als Essayist bewegte sich Heinrich Mann aus Ansichten der konservativen Mittelklasse hin zu einem entschiedenen Einsatz für die Demokratie und für diverse Ausprägungen das Sozialismus. Während des Ersten Weltkriegs war er einer der wenigen Schriftsteller, die sich gegen die deutschen ‘Ideen von 1914’ stellten. In seinem berühmten Essay ‘Zola’ (1915), das das politische Engagement des französischen Autoren feierte, arbeitete Mann die Rolle des Schriftstellers in der Gesellschaft heraus und prangerte die ausbeuterischen Ambitionen von Kapitalisten und Industriellen an, die den Konflikt herbeigeführt hatten. Mit seinen Referenzen zu Thomas Mann rief er eine zeitweise Zerrüttung zwischen den Brüdern hervor. Thomas, der konservativer war, hatte den Krieg verteidigt und war gekränkt. Seine Antwort: ‘Betrachtungen eines Unpolitischen’ (1918), war ein direkter Angriff auf Heinrich. Thomas, der zunächst das Bedürfnis des Künstlers nach Unabhängigkeit von politischen Angelegenheiten behauptet hatte, unterstützte später viele von Heinrichs Ansichten. In ‘Der Haß’ (1933) zeigte Mann, wie die Kultivierung des Hasses, derer sich die Nazis schuldig machten, unvermeidbar zum Zersetzen der Zivilisation führen musste.«

S. Fischer (mit Essay ‘Zola’) / S. Fischer / S. Fischer

Dieses Zitat hat Petri Liukkonen für seinen Aufsatz ausgewählt. Es stammt aus ‘Professor Unrat’ (1904):

»Und auf einmal sah er ihr Gesicht von gestern wieder, das ganz bunte. Die Künstlerin Fröhlich sass erst jetzt vor ihm, die eigentliche. Er hatte sie entstehen sehen und merkte es erst jetzt. Ein flüchtiger Blick eröffnete sich ihm auf die Küche, in der Schönheit, List, Seele gemacht wird. Er war enttäuscht und eingeweiht. Er dachte gleich hintereinander: „Weiter ist es nichts?“ und „Das ist aber grossartig!“ Das Herz klopfte ihm – und inzwischen rieb die Künstlerin Fröhlich sich die farbigen Fette, die es ins Klopfen gebracht hatten, mit einem Tuch von den Händen.«

zu „Ideen von 1914“:

siehe auch Beiträge im hqc:

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