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liga_1593

Die Liga: Prozession in Paris am 10. Februar 1593 © S.H.P.F.

Was die waffenstrotzende wütende Woge der Liga in Paris zum Versickern brachte [S. 287 / 288 in der S. Fischer Studienausgabe]

Was geschah? Eine Volksmenge, waffenlos, begegnete ihnen [die ehemalige Liga – das waren Wütende jeden Grades und Standes, sie schwangen Waffen] auf ihrem eigenen Gebiet. Es waren meistens Kinder, die riefen hell: »Es lebe der König!« Davon stockte ihr wütender Marsch. Den Kindern folgten berittene Herolde mit Trompeten: sie verkündeten Frieden und Vergebung. Nach diesen kamen richterliche Beamte; die waren es zuletzt, vor denen die Wütenden die Waffen streckten. Sie sahen sich um, fanden nichts mehr zu tun, da man ihnen entgegenkam wie anderen Menschen auch, und die Hand darbot. Manche blieben stecken mit all ihrem Lebensgefühl, sie konnten ihre Gewohnheiten so schnell nicht beilegen; was wird auf einmal aus Wut, Gewalt und noch so hahnebüchener Ansicht der Welt, wenn Kinder und Rechtsgelehrte zur rechten Zeit den Mut der Friedlichkeit sichtbar dartun. Mehrere Wütende verunglückten tödlich an dieser Stelle, infolge ihres zu schnellen Übertrittes vom Wahnsinn zur Vernunft.

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Peter Paul Rubens; Der Triumph des Henri IV (ca 1630)

1595 hält der König triumphal Einzug in Paris. Er betritt spät den Louvre und wird erst, als sich der ganze Trubel gelegt hat, gewahr, dass der gesamte Bau völlig leergeräumt ist. Der Louvre wird zur Projektionsfläche aller vergangenen Erlebnisse dort, aber

Die stärkste Vergangenheit verblaßt, wenn Tisch und Truhe fehlen.

und weiter, nach einer E. T. A. Hoffmann’schen Begenung mit einem kobolt-geisterhaften vormaligen Verwalter, der für die Plünderung verantwortlich war, zieht Henri einen Schlußstrich [S. 304]:

Hängt Euren Dieb auf der Brücke, damit meine Hauptstadt sieht: die Gespenster sind ausgetrieben. Mir soll keines mehr begegnen. Ich will im Louvre wohnen, wie in einem neuen Schloß, kein Wort von dem alten, nie wieder die Erinnerung. Hab auch ein neues Volk, das vom Gewesenen schweigt, wie ich selbst, unverbrüchlich. […] Das Volk wird mich lieben, weil ich mit ihm arbeite.

Erinnern und Vergessen

Dies ist eine zentrale Stelle im Roman und in der Geschichte Henri IVs: der Umgang des Staates mit zuvor begangenen schweren Verbrechen. In Sinn und Form, Heft 5 / 2008 hat Peter Bender einen Essay zum Thema verfasst: „Erinnern und Vergessen. Deutsche Geschichte 1945 und 1989„, der ausdrücklich die Haltung Henri IVs zitiert. (siehe Leseprobe). Alles schön und gut, und auch ich denke, dass zu viel Gedenken nicht gut tut. Spätestens aber, wenn die Rechtsgelehrten ins Unrecht abrutschen und der Staat verkommt, muß man die Erinnerung hervorholen und sich daran wachrütteln.

Noch einmal zieht Henri IV in den Krieg. Spanien wird besiegt. Die Jesuiten werden aus Frankreich hinausgeworfen. Der alte Widersacher Mayenne muss sich ergeben. Aber Henri weiß, dass das Volk ihn noch nicht liebt. [S. 380]

Liebt mich oder liebt mich nicht. Ich tu meinen Dienst und tu ihn fröhlich.

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