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Mit der schönen Gabrielle als Muse, und bedingt auch Strippenzieherin, in Henris Leben, hören wir derzeit herzlich wenig von Margot, die ja immerhin Henris rechtmäßige Frau ist. Was treibt sie so, wo immer sie sich aufhält?

In einer alten Nummer der New York Review of Books (13. August 2015) stieß ich auf diese Rezension von Anka Muhlstein*,  „The Victory of Queen Margot„,  zu einem Buch, das im Juni letzten Jahres bei Hachette erschienen war: Nancy Goldstone; The Rival Queens

»Stendhal machte sie zum Ideal und zur Inspiration für Mathilde de la Mole in „Rot und Schwarz“ (Im Roman stammt die de la Mole Familie von einem Geliebten der Marguerite ab). Es ist die Erinnerung an die Königin von Navarra, die Mathilde ihren „übermenschlichen Mut“ verleiht, wenn sie den Kopf des Julien Sorel, ihres guillotierten Geliebten, „auf einen kleinen marmornen Tisch [plaziert] … und seine Stirne [küsst].“«

So etwa (frei übersetzt) Anka Muhlstein in ihrer Rezension, eines ihrer zahlreich zusammengetragenen Details zu Person, Leben und Wirkung der Marguerite von Valois. Die Rivalität bezieht sich auf Marguerite und ihre Mutter, Catherine, die in Heinrich Manns Roman ja inzwischen tot ist. Das Zitat beschwört noch einmal düstere Bilder der Bartholomäusnacht herauf; und auch Henri, der es inzwischen nach Paris und in den Louvre – einen gespenstig leergeräumten Louvre – geschafft hat, wird dort von inneren Bildern des Grauens heimgesucht.

Weiter heißt es in der Rezension:

»Goldstone hebt Marguerite Liebe zum Lesen hervor, dass ihr erlaubte, Jahre der Abgeschiedenheit mit beträchtlicher Gelassenheit hinzunehmen.

Meine Gefangenschaft und die damit einhergehende Einsamkeit verschafften mir den doppelten Vorzug, eine Passion zum Studium zu entwickeln und eine Neigung hin zur Andacht, Vorzüge, die ich niemals in Zeiten der Eitelkeiten und des Glanzes im Reichtum erfahren hatte.

Dieser unabhängige Geist, diese innere Freiheit, diese echte Fähigkeit ihres Intellekts erklären alle gewissermaßen, was in ihr Goldstone als eine Vorreiterschaft zur Frauenbewegung sieht.«

und später:

»Maria Tudor und Elizabeth regierten England hintereinander, während Catherine de Medici die Herrschaft über Frankreich in Händen hielt. Solch eine Macht war aber Marguerite von Valois nicht gegeben. Sie erwies sich unfähig, eine Versöhnung zwischen Hugenotten und Katholiken herbeizuführen; denn sie war unentwegt gefangen in Treuekonflikten und währenddessen veranlasste die Fruchtlosigkeit ihrer Ehe sie dazu, ihren Platz auf den Thron an der Seite Henris nicht anzutreten.«

Wir werden sehen, dass dies nicht das Ende einer Beziehung sein wird; und ich bin gespannt, wie Margot bei Heinrich Mann ihr come back feiern wird.

* »Anka Muhlstein wurde 1935 in Paris geboren. Zusammen mit ihrem Mann, dem Romancier und Anwalt Louis Begley, lebt die Historikerin und Autorin seit 1974 in New York. 1996 wurde sie mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.« (buchhandel.de) Sie hat selbst Bücher zur Epoche geschrieben und wurde, im Gegensatz zu Goldstone, ins Deutsche übersetzt.

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