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klee_perlenschwein

Paul Klee
monsieur Perlenschwein (1925)
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Motiv auf der Studienausgabe bei S. Fischer

 

Hier kann ich – zu Zeiten, bei Weitem nicht immer – die Nachrichten wie Märchen lesen, und zu meinem Roman zurückkehren als zu der Wahrheit und zum Leben.

Heinrich Mann an Thomas Mann, Nizza 30. März 1935 [Auszug]

(zitiert aus dem Anhang, Materialien zusammengestellt von Peter-Paul Schneider, in der Studienausgabe ‚Vollendung‘ bei S. Fischer)

Kunstsprache?

R*** führte an:

„– – Michael Maar hat Diktion und Stil Heinrich Manns schön charakterisiert: „Anders als Thomas lehnt Heinrich untergeordnete Satzglieder ab; das ist die Demokratie der Grammatik. Auf dem Felde des Stils bekämpfen sich die Brüder mit ungleichen Waffen; der Zierdegen der Hypotaxe trifft auf das Krummschwert der Parataxe. (…). Heinrich stellt oft Hauptsätze nebeneinander, am liebsten drei, und verbindet sie durch ein Komma. Relativsätze sind selten; er schreibt nicht: »Eine Stimme, der keine gleicht«, sondern: »Eine Stimme, keine andere gleicht ihr«.
„Seine Figuren sprechen oft alle in der gleichen Kunstsprache, einem Esperanto, das keinerlei mimetische Ambitionen hegt.“ Stimmt: ob Henri oder der Guise – beide sprechen dieselbe Kunstsprache.“

Aus alter Zeit für heute

Im Nachwort geht Hans Mayer, soweit ich sehe, kaum auf die Sprache des Romans ein, konzentriert sich auf die historischen Bezüge und Querverweise und auf die Botschaft Manns durch Henri von Navarre. Mayer erwähnt einmal die „Freude an der Sprache und am Sprechen“.

Ich stell mir vor, wie Heinrich Mann mit (fast möchte ich sagen jugendlicher) Lust sehr wohl nachgeahmt hat. Was überheblich-machtgierig und kaltblütig bei de Guise klingt, ist bei Henri von Navarre keck, klug und mit langem Atem gestrickt, zum Beispiel bei: „Eine Versuchung“, als de Guise seine völlig verrückte Schwester in Zaum zu halten versucht und weiter unten, als Henri das Handeln von Henri III abwägt. Den gesamten Roman taucht Heinrich Mann aber in die Färbung eines alten Heldenepos. Das drückt aber eine Distanz aus, die gleichzeitig keine ist. Ich denke auch, dass Heinrich Mann in der Erzählung des alten französischen Helden Menschen und Herrscher seiner und aller Zeiten vor Augen hat. So sehr er ein exemplarisches Leben sprachlich nachahmend in seine ferne Geschichte versetzt ist in allem seine Stimme voller Sorge dessen, was in seiner Zeit sich zuträgt und verbrochen wird.

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