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fluegge

Suhrkamp / Insel und Rowohlt (vergr. Ausgabe)

Flügge schreibt unter anderm zu ‘Der Haß’ (1933 bei Gallimard ‘La Hains’, bei Querido deutsch im selben Jahr):

Der »Hass« aus dem Titel meinte nicht Abscheu vor den Machthabern in Berlin, sondern bestärkte deren stärkste Motivation; nur Hass inspirierte ihre Gedanken und Taten. […] Als treffende Prophetie erweist sich der Satz: »Die Hitler-Diktatur wird verständlich allein im Hinblick auf den Krieg.«

(in: Manfred Flügge; Traumland und Zuflucht / S. 120 / Insel, 2013)

Im Nachwort in der Studienausgabe bei Fischer schreibt Hans Meyer unter ‘Der Haß und die Güte’ zum “deutschen Geschehen des Jahres 1933”, wie, anders als Thomas, Heinrich Mann “einfach nüchterner hingeschaut hatte. Nüchterner, freilich aber auch mit einem bisher unbekannten Empfinden: mit Haß.” Etwas weiter unten, nach der Beschreibung der Virulenz des Hasses unter der neuen Herrschaft der Nazis, meint Meyer, daß auch “Heinrich Mann ihn erlernen mußte, den Haß” um ihn dann in dreifacher Form in Literatur zu “verwandeln”, unter anderem in dem ersten Band “von den schlimmen Lehrjahren des guten Königs Henri”. “Haß und Güte, beides muß gelernt werden.”

meyer

Hans Meyer / Quelle: VVN-BdA

Diese Position ist mir rätselhaft. Ist es im Fall des Hasses ein lernen, um zu überwinden? Dann ginge es an. Ich las aber eher heraus, daß es in Richtung Hessel’scher ‘Empörung’ geht, Wut, oder Zorn, ein Aufwallen, aber eben spezifisch ‘Hass’. Problematisch, finde ich. Gibt es ein Beispiel in der Geschichte, wo daraus etwas Gutes wurde?

Zuletzt noch ein Zitat vom Autoren selbst, aus den im Materialienteil der Studienausgabe. In einem Brief an Félix Bertaux vom 23. Januar 1935 schrieb Heinrich Mann:

“»Haß spüren« [À éprouver la haine]: ich meinte mehr empfinden [ressentir] als ertragen [subir].”

Das bezieht sich auf die ‘Moralité’ am Ende des Kapitels “Die Schule des Unglücks”; ich greife da schon voraus.

Ich neige doch zu Flügges Auffassung, bei dem der Haß auf jeden Fall eine Schwäche ist, die zu ‘erlernen, im Sinne von sich anzueignen’ sicher nicht Heinrich Manns Antwort auf menschliche Verbrechen ist. Es scheint mir, daß Henri (wie vielleicht auch der Autor) von dem Gefühl überfallen wird, mit ihm ringt und sich dann entschieden vom Haß abkehrt.

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